Zirkulär gedacht, demontierbar gebaut
Die Konstruktion setzt auf kreislauffähige und ressourcenschonende Materialien, die durch mechanische Verbindungen sortenrein getrennt, zurückgebaut und wiederverwendet oder recycelt werden können. Dadurch werden Materialverbrauch und ökologischer Fußabdruck reduziert.
Ablauf
Vom Planungsziel zur realisierten Maßnahme
Hoher Ressourcenverbrauch im Bauwesen
Konventionelle Bauweisen verbrauchen große Mengen an Primärrohstoffen und verursachen erhebliche CO₂-Emissionen sowie Bau- und Abbruchabfälle. Häufig erschweren fest miteinander verbundene Materialien eine spätere Wiederverwendung. Daher bestand beim MorellenQuartier die Herausforderung, den Ressourcenverbrauch zu reduzieren und Materialien möglichst langfristig im Kreislauf zu halten.
Konventionelle Bauweise hinterfragt
Die Konstruktionsanalysen von LRW zeigen, dass eine konventionelle Baukonstruktion die ökologischen und wirtschaftlichen Projektziele nicht ausreichend erfüllte. Deshalb wurden alternative Materialien und Konstruktionssysteme untersucht und sich bewusst für eine serielle Holz-Hybridbauweise mit gezielt ausgewählten, ressourcenschonenden und recyclingfähigen Materialien entschieden.
Wiederverwendung und mitgedachte Materialkreisläufe
Zum Einsatz kommen vorgefertigte Holzbauelemente für Decken, Dach und Wände, rezyklierbare Tonschindeln an der Fassade sowie Recyclingbeton für die sechs Treppenhäuser.
Fassade aus recycelten Tonschindeln
Die hinterlüftete Bekleidung der Fassade besteht auf recycelbaren Tonschindeln, welche über eine Unterkonstruktion aus Aluminium und Holz befestig ist. Sie lassen sich nach Nutzungsende in den Materialkreislauf zurückführen.
CO₂-Bilanz statt Zertifikat
Die ökologische Bewertung erfolgt über eine CO₂-Bilanzierung nach DIN EN 15978, während auf eine zusätzliche Gebäudezertifizierung verzichtet wird.
Fachliche Vertiefung
Bautechnisch
Bauteile
Die Fassade ist mit einer hinterlüfteten Bekleidung aus recycelbaren, vorgehängten Tonschindeln ausgeführt. Die Schindeln werden über eine Unterkonstruktion aus Aluminium und Holz befestigt und lassen sich nach Nutzungsende sortenrein dem Materialkreislauf zuführen. Ergänzt wird der Aufbau durch ökologische, druckfeste Holzfaser-Dämmplatten sowie weitere Materialien, die weitgehend ohne Verbundstoffe auskommen. Dadurch wird der Einsatz kreislauffähiger und ressourcenschonender Baustoffe gestärkt und der ökologische Fußabdruck der Gebäudehülle reduziert.
Plan oder Zeichnung · PDFDetail Fassadenaufbau- Plan oder Zeichnung · PDFInfoblatt Tonschindel
Demontierbarkeit
Die Konstruktion ist konsequent auf Rückbaubarkeit und Kreislauffähigkeit ausgerichtet. Sämtliche Schichten, von der Fassade über die Unterkonstruktion bis zur tragenden Brettsperrholzstruktur, sind mechanisch verbunden und können zerstörungsarm gelöst werden. Durch die sortenreine, lageweise Ausführung und den Verzicht auf schwer trennbare Verbundbaustoffe ist eine einfache Materialtrennung gewährleistet. Dies ermöglicht sowohl die Wiederverwendung einzelner Bauteile als auch das hochwertige Recycling der eingesetzten Materialien und unterstützt damit die nachhaltige und zukunftsfähige Gebäudestrategie des Projekts.
