Die RESI ist ein Low-Tech-Bürogebäude, das ganz ohne klassische Heiz- oder Kühltechnik auskommt. Dabei setzt das Projekt auf nachhaltige Materialien, hohe Baumasse, eine PV-Anlage und eine Ressourcenauswertung nach Gebäuderessourcenpass-Prinzipien.

„Ohne Heizung, ohne Kühlung – und zu drei Vierteln aus recyceltem Material gebaut.“
Alpha IC, Jan Philipp Hesse
Herausragende Kombination: minimaler Energiebedarf + maximale Wiederverwertung
Über 75 % der verbauten Materialien stammen aus Recycling- und Re-use-Prozessen und setzen damit einen deutlichen Akzent in Richtung kreislauforientierter Bauweise. Der Tragwerksbeton spart über 200 Tonnen Primärmaterial ein und wird durch geprüfte Re-use-Klinkerriemchen sowie regionale Baustoffe ergänzt. Die Konstruktion ist auf das statisch notwendige Minimum reduziert, wodurch Materialeinsatz und nachgelagerte Verarbeitungsschritte deutlich sinken. Gleichzeitig gewährleistet der Gebäuderessourcenpass eine vollständige Dokumentation und schafft Transparenz für zukünftige Rückbau- und Wiederverwertungspotenziale.
Das Projekt Resi von Alpha IC steht exemplarisch für einen Wandel im Planungsverständnis – hin zu einem frugalen Bauen, das die Phase 0 als entscheidenden Moment des Projekts begreift. Hier wird der Grundgedanke „Der Entwurf folgt den örtlichen Bedingungen“ konsequent umgesetzt: Architektur und Technik werden nicht getrennt, sondern von Beginn an miteinander verknüpft.
Ausgangspunkt ist die Vision eines Gebäudes, das ohne aktives Heizen und Kühlen auskommt – ein Ansatz, der dem Prinzip des Passivhauses nahekommt. Grundlage dafür sind eine hochwertige Gebäudehülle, eine hohe Luftdichtheit, eine effiziente Dämmung sowie ein kompaktes Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen (A/V). Auch die Fenstergrößen sind so optimiert, dass Energiegewinne und -verluste in Balance stehen. Statt auf Holz als Primärkonstruktionsmaterial setzt das Projekt bewusst auf massive Bauweise, um thermische Speicherfähigkeit zu nutzen und Temperaturspitzen passiv auszugleichen.
Das Projekt repräsentiert damit den bewussten Bruch mit einer bisherigen Planungslogik, die jedes Gebäude an jedem Ort technisch „beherrschbar“ machen wollte. Stattdessen steht bei der RESI die frühe integrale Planung im Mittelpunkt – die Verknüpfung von Hülle, Technik und Material zu einem ganzheitlich gedachten, robusten und ressourceneffizienten System.
Hier entsteht weder die Notwendigkeit einer Abweichung noch ergeben sich rechtliche Implikationen.
Das Gebäude kommt ohne klassische Heizungs- und Kühlsysteme aus. Die thermische Energie entsteht überwiegend durch die Nutzenden selbst sowie die Abwärme von Geräten und Beleuchtung. Die kompakte Gebäudeform, die massive Speicherkonstruktion aus Recyclingbetonwänden und die gezielte solare Einstrahlung verleihen dem Bauwerk eine hohe thermische Trägheit, wodurch Wärme im Winter gespeichert und im Sommer überschüssige Hitze gepuffert wird.
Für Extremsituationen, etwa bei längeren Betriebsunterbrechungen im Winter, ist lediglich ein elektrisches Heizregister pro Geschoss vorgesehen. Eine zentrale, hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung von rund 80 % stellt Raumluftqualität und Energieeffizienz sicher. Ergänzt wird das System durch ein intelligentes Nachtlüftungs- und Verschattungskonzept, das über die Gebäudeautomation geregelt wird. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral über elektrische Durchlauferhitzer, wodurch auf komplexe Leitungs- und Speichersysteme verzichtet werden kann.
Die Gebäudehülle ist hochgedämmt und minimiert Wärmeverluste. Zur weiteren Vereinfachung sind viele Fensterflächen als Festverglasung ausgeführt und bewusst nicht öffenbar, um den kontrollierten Luftaustausch und die Effizienz der Lüftung zu gewährleisten.

Im Planungsprozess des Projekts RESI wurde die thermische Leistungsfähigkeit des Gebäudes nicht über die standardisierten Rechenverfahren des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), sondern mithilfe dynamischer Gebäudesimulationen ermittelt. Diese Methode erlaubte eine realitätsnahe Abbildung der thermischen Trägheit, der Speichermassen und der tatsächlichen Nutzungsprofile – zentrale Faktoren des Low-Tech-Konzepts.
Eine statische Berechnung laut GEG musste dennoch vorgenommen werden. Durch die Vorhaltung von elektrischen Heizregistern konnte der EH40 Standard nachgewiesen werden, wodurch das Gebäude erst in den Geltungsbereich des GEG fiel.
Damit wurde das Gebäude als Effizienzgebäude 40 mit Nachhaltigkeitsklasse (EH 40 NH) realisiert und erfüllt damit sämtliche Anforderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Damit stellt das Projekt einen unorthodoxen, aber förderfähigen Ansatz innerhalb der geltenden energetischen Förderkulisse dar und zeigt, wie sich Simulation, Planung und einfache Technik zu einem hoch effizienten Gesamtsystem verbinden lassen.
Der Low-Tech-Ansatz des Gebäudes führt zu einer ungewöhnlichen Situation in der Vermietung, da das Raumklima nicht durch klassische Heiz- oder Kühlsysteme, sondern durch Nutzung, interne Wärmequellen und die thermische Masse des Gebäudes reguliert wird. Diese besondere Betriebsweise unterscheidet sich deutlich von konventionellen Bürogebäuden und wurde daher vertraglich mit den Mieter:innen vereinbart. So wird sichergestellt, dass die Funktionsweise des Gebäudes verstanden und aktiv mitgetragen wird – als Teil eines gemeinschaftlich getragenen, ressourcenschonenden Nutzungskonzepts.
Über 75 % der verbauten Materialien stammen aus Recyclingprozessen, insbesondere der Recyclingbeton mit einem Rezyklatanteil von 75 %, wodurch über 200 t Primärmaterial eingespart wurden. Re-use-Klinkerriemchen und regionale Baustoffe ergänzen den ressourcenschonenden Ansatz. Alle Materialien sind im Gebäuderessourcenpass (Madaster) dokumentiert, die Planung basiert auf Lebenszyklus- und Kostenanalysen (LCA/LCC).
Die tragenden und aussteifenden Elemente wurden auf das statische Minimum reduziert; ein wesentliches Element ist die interne Treppe aus RC-Beton, ausgeführt als polygonale Wandscheibe mit freitragenden Stufen. Innenwände aus sichtbar belassenem Beton ohne Sichtbetonklassifizierung verzichten auf Putz- und Bekleidungsschichten und sparen so Material und Energie.
Die Re-use-Klinkerriemchen stammen von einem spezialisierten Unternehmen, das die Qualitäts- und Materialprüfung bereits im Vorfeld durchführt. Dadurch können die wiederverwendeten Klinker ohne zusätzlichen Prüfaufwand in das Bauvorhaben integriert werden, was den Einsatz von Sekundärmaterialien vereinfacht und die Zuverlässigkeit sowie Rechtssicherheit im Planungs- und Bauprozess erhöht.