Keine Heizung, Keine Kühlung
RESI verzichtet auf klassische Heizungs- und Kühlsysteme, die thermische Energie entsteht durch die Nutzenden. Ermöglicht wird dies durch eine hochgedämmt Gebäudehülle mit minimierten Wärmeverlusten.
Ablauf
Vom Planungsziel zur realisierten Maßnahme
Phase 0 als entscheidender Moment
Architektur und Technik werden im Sinne des frugalen Bauens von Beginn an aufeinander abgestimmt.
Ohne Heizung, ohne Kühlung
RESI setzt auf ein passives Energiekonzept, bei dem Körperwärme sowie Abwärme von Geräten und Beleuchtung den Wärmebedarf decken sollen.
Konstruktion als Hilfsmittel
Eine kompakte, gut gedämmte Bauweise, abgestimmte Fensterflächen und massive Bauteile nutzen Sonnenwärme, speichern Energie und reduzieren Temperaturschwankungen – ganz ohne klassische Heizung.
unkonventioneller, aber förderfähiger Ansatz
Mithilfe dynamischer Gebäudesimulation wurde die thermische Leistungsfähigkeit des Gebäudes ermittelt. Dennoch musste eine statische Berechnung laut GEG vorgenommen werden, wodurch der EH40 Standard nachgewiesen wurde und das Gebäude eine Bundesförderung erhalten konnte.
Einigung im Mietrecht
Da das Gebäude nicht durch klassische Heiz- oder Kühlsysteme, sondern durch Nutzung, interne Wärmequellen und die thermische Masse des Gebäudes reguliert wird, bedarf es einer vertraglichen Vereinbarung mit den Mieter:innen. So werden alle Teil eines gemeinschaftlichen getragenen und ressourcenschonenden Nutzungskonzepts.
Lüftungsanlage für Außnahmesituationen
Für Außnahmesituationen, wie bei längeren Betriebsunterbrechungen im Winter, greift eine zentrale, hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung von rund 80%.
Fachliche Vertiefung
Planerisch
keine Heizung, keine Kühlung
Ausgangspunkt ist die Vision eines Gebäudes, das ohne aktives Heizen und Kühlen auskommt – ein Ansatz, der dem Prinzip des Passivhauses nahekommt. Grundlage dafür sind eine hochwertige Gebäudehülle, eine hohe Luftdichtheit, eine effiziente Dämmung sowie ein kompaktes Verhältnis von Hüllfläche zu Volumen (A/V). Auch die Fenstergrößen sind so optimiert, dass Energiegewinne und -verluste in Balance stehen. Das Projekt setzt auf eine massive Bauweise als Primärkonstruktion, um thermische Speicherfähigkeit zu nutzen und Temperaturspitzen passiv auszugleichen.
Die RESI repräsentiert damit den bewussten Bruch mit einer bisherigen Planungslogik, die jedes Gebäude an jedem Ort technisch „beherrschbar“ machen wollte. Stattdessen steht die frühe integrale Planung im Mittelpunkt – die Verknüpfung von Hülle, Technik und Material zu einem ganzheitlich gedachten, robusten und ressourceneffizienten System.
- BauherrschaftAlpha IC GmbH, Sebastian Hölzlein
Projektziel, Beauftragung und Betriebsperspektive
Bautechnisch
Haustechnik
Das Gebäude kommt ohne klassische Heizungs- und Kühlsysteme aus. Die thermische Energie entsteht überwiegend durch die Nutzenden selbst sowie die Abwärme von Geräten und Beleuchtung. Die kompakte Gebäudeform, die massive Speicherkonstruktion aus Recyclingbetonwänden und die gezielte solare Einstrahlung verleihen dem Bauwerk eine hohe thermische Trägheit, wodurch Wärme im Winter gespeichert und im Sommer überschüssige Hitze gepuffert wird.
Für Außnahmesituationen, etwa bei längeren Betriebsunterbrechungen im Winter, ist lediglich ein elektrisches Heizregister pro Geschoss vorgesehen. Eine zentrale, hocheffiziente Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung von rund 80 % stellt Raumluftqualität und Energieeffizienz sicher. Ergänzt wird das System durch ein intelligentes Nachtlüftungs- und Verschattungskonzept, das über die Gebäudeautomation geregelt wird. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral über elektrische Durchlauferhitzer, wodurch auf komplexe Leitungs- und Speichersysteme verzichtet werden kann.
Bauteile
Die Gebäudehülle ist hochgedämmt und minimiert Wärmeverluste. Zur weiteren Vereinfachung sind viele Fensterflächen als Festverglasung ausgeführt und bewusst nicht öffenbar, um den kontrollierten Luftaustausch und die Effizienz der Lüftung zu gewährleisten.
- Plan oder Zeichnung · PDFFensterdetail
Rechtlich
Einhaltung der Anforderungen des BEG EH 40
Im Planungsprozess des Projekts RESI wurde die thermische Leistungsfähigkeit des Gebäudes nicht über die standardisierten Rechenverfahren des Gebäudeenergiegesetzes (GEG), sondern mithilfe dynamischer Gebäudesimulationen ermittelt. Diese Methode erlaubte eine realitätsnahe Abbildung der thermischen Trägheit, der Speichermassen und der tatsächlichen Nutzungsprofile – zentrale Faktoren des Low-Tech-Konzepts.
Eine statische Berechnung laut GEG musste dennoch vorgenommen werden. Durch die Vorhaltung von elektrischen Heizregistern konnte der EH40 Standard nachgewiesen werden, wodurch das Gebäude erst in den Geltungsbereich des GEG fiel.
Damit wurde das Gebäude als Effizienzgebäude 40 mit Nachhaltigkeitsklasse (EH 40 NH) realisiert und erfüllt damit sämtliche Anforderungen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Damit stellt das Projekt einen unkonventionellen, aber förderfähigen Ansatz innerhalb der geltenden energetischen Förderkulisse dar und zeigt, wie sich Simulation, Planung und einfache Technik zu einem hoch effizienten Gesamtsystem verbinden lassen.
Einigung im Mietrecht
Der Low-Tech-Ansatz des Gebäudes führt zu einer ungewöhnlichen Situation in der Vermietung, da das Raumklima nicht durch klassische Heiz- oder Kühlsysteme, sondern durch Nutzung, interne Wärmequellen und die thermische Masse des Gebäudes reguliert wird. Diese besondere Betriebsweise unterscheidet sich deutlich von konventionellen Bürogebäuden und wurde daher vertraglich mit den Mieter:innen vereinbart. So wird sichergestellt, dass die Funktionsweise des Gebäudes verstanden und aktiv mitgetragen wird – als Teil eines gemeinschaftlich getragenen, ressourcenschonenden Nutzungskonzepts.
